Mein Name ist Oleksandr Shapovalov.
Ich wurde in Mariupol, Ukraine, geboren und lebe und arbeite seit 2022 in Deutschland.
Ich bin ein Fine-Art-Fotograf und arbeite mit Bewegung, Zeit und Wahrnehmung als zentralen Elementen meiner visuellen Sprache. Seit mehr als siebzehn Jahren ist die Fotografie für mich nicht nur ein Beruf, sondern auch ein Raum der Forschung.
Mit der Zeit entwickelte ich eine eigene Aufnahmetechnik, bei der das Bild direkt in der Kamera entsteht – ohne digitale Nachbearbeitung. Die Fotografie entsteht im unmittelbaren Kontakt mit der Realität, als ein ganzheitlicher Akt, der Bewegung, Dauer und Aufmerksamkeit vereint.
Mein visuelles Denken formte sich durch unterschiedliche Erfahrungen.
Ich begann mit der Reportagefotografie, wo ich lernte, den Moment zu spüren und intuitiv zu reagieren. Später vertiefte die Arbeit in der Motorsportfotografie mein Verständnis von Dynamik, Rhythmus
und zeitlicher Spannung. Parallel dazu legte meine Ausbildung in Farbe und Komposition an einer Kunstschule das Fundament meiner künstlerischen Sichtweise.
Mit der Zeit erschien mir die traditionelle Fotografie zunehmend begrenzt. Mich interessierte immer weniger, wie die Welt aussieht, sondern vielmehr, wie sie sich anfühlt. Die Arbeiten von Saul Leiter sowie die Impressionisten beeinflussten mein Verständnis von Farbe, Licht und Atmosphäre als eigenständige Träger von Stimmung.
Ein Wendepunkt war die Erkenntnis, dass Fotografie nicht nur ein Bild, sondern ein Zustand der Wahrnehmung sein kann. In meiner heutigen Praxis verbinden sich Bewegung, Überlagerung und Zeit in einem einzigen Akt der Aufnahme. Für mich ist es wesentlich, die Unmittelbarkeit zu bewahren – jenen Moment festzuhalten, in dem Empfindung der
Interpretation vorausgeht und der Blick offen und frei bleibt.
In den letzten Jahren steht die Natur im Zentrum meiner Arbeit, insbesondere die Bäume. Ich begreife sie als lebendige Wesen, die Erinnerung, Stille und Beständigkeit in sich tragen.
Durch die Fotografie erforsche ich die fragile Verbindung zwischen Mensch und Natur – eine Verbindung, die im kindlichen Erleben verwurzelt ist, jedoch durch Geschwindigkeit und Rationalität unserer Zeit geschwächt wird.
Meine Arbeiten sind keine Erklärungen oder Erzählungen, sondern Einladungen zu unmittelbarer Erfahrung. Ich möchte Bilder schaffen, die den Betrachter zu einer ursprünglichen, achtsamen Weise des Sehens zurückführen, in der Natur als lebendige, verletzliche und still heilige Realität erfahren wird.
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